Schnitzen ist mein Hobby

Die Überlegung startet im Sommer. Im Winter zur Weihnachtszeit hätte ich gerne Engel als Antikholz-Skulpturen.

Übrigens wurde ich zu einem Waldbasar als Teilnehmer eingeladen.

Hunderte von Engel im Internet gefielen mir nicht.

Im Kopf entstanden Engel die ich zu Papier brachte, zeichnen kann man das nicht nennen.

In Ton fertigte ich 3 verschiedene Engeltypen. Nicht zu heilig, keine Grippe-Figur. Ich bevorzuge monumentale Einfachheit, keinen Schnickschnack, keine Details. Die Basisform muss gut erkennbar sein und dem Betrachter genug Spielraum für seine eigene Phantasie zu gewähren. Das Holz muss so unverändert wie möglich bleiben. Der Charakter, Maserung, Zeichnung, Asteinschluss etc. soll die Form unterstützen. Der Liebhaber soll das Werk erobern, gewinnen. Das ist auf jeden Fall mehr als ein Kranzschleifeneffekt.

Wir, das Ehepaar, entschieden uns für ein Modell, es bestach durch Einfachheit.

 

Nun folgt ein sehr wesentlicher Schritt, die Holzsuche.

Genauer gesagt, welches Holz aus meinem Holzlager ist das Geeignetste. Welches Balkenstück bietet sich selbst für die Aufgabe an?

Mein Holzlager, das Eichenholz wuchs in Nordhessen in der Zeit 30 Jähriger Krieg, westfälischer Friede. In dieser Zeit waren Hexenverbrennungen und Soldatenverkauf üblich.

Eine historische Scheune wurde entkernt und zu einem modernen Wohnhaus umgebaut. Das antike Bauholz mutierte zu Schnitzholz. Bei einem Steinmetz lernte ich dieses harte Holz zu gestalten.

Einige Balkenstücke hatten seitlich tiefe Kerben, Einschnitte,

damit war klar das raue unbearbeitete Holz in den Kerben wird die Vorderseite der Engelflügel werden.

 

Das weniger bearbeitete Holz bleibt dunkler in der Färbung, die ohnehin von dunkelbraun bis honigfarben variiert, so wird die Vorderfront der Flügel markant dunkler. Die Skulpturen aus dem antiken Eichenholz werden naturbelassen, also nicht geräuchert oder gebeizt

Beim Gestalten habe ich eine Menge in die Skulpturen hinein gedacht.

 

Nach wochenlanger, schöner, motivierender Schnitz- Arbeit waren die Engel fertig.

 

Die Engel waren gut gelungen.

 

 

Allgemeines zu Hobbys:

Eine Lebensweisheit die ich von meinem Vater übernommen habe. Mein Vater war Facharzt für Nervenkrankheiten und Gemütsleiden. Er konnte Zusammenhänge sehr gut erklären.

Sein Hobby war Kakteen züchten.

Seine Auffassung:

Wenn du mit 60 anfängst Karten zu spielen, findest Du keinen Mitspieler mehr.

Wenn es Dir mit 60 in den Sinn kommt ab jetzt zu angeln, wird kein Fisch anbeißen.

Also früh krümmt sich was ein Häkchen werden will.

Wenn Du schließlich dein Hobby hast und Du es ausübst, gibt es Dir die gewünschte Erfüllung. Achte darauf, dass Du nicht zu viel Zeit für Dein Hobby zur Verfügung steht, sonst ist es bald keines mehr.

Du musst immer so aktiv sein, dass Du um die Zeit für Dein Hobby ringen musst.

 

Mein Hobby Schnitzen.

 

Als Schüler schnupperte ich in die Schnitzerei, wie meine Enkel kamen, schnitzte ich Spielzeug. Seit dieser Zeit schnitze ich figürliches, in der Vergangenheit häufig Tiere aus

verschiedenem Holz. Das hat sich ein wenig geändert, darüber später mehr. Das Schnitzen habe ich mir mehr oder weniger selbst beigebracht. Meine Erfahrung über den Schnitzkurs möchte ich mit Ihnen teilen. Beruflich bedingt hatte ich kaum Möglichkeiten Kurse zu besuchen. In 3 Jahren absolvierte ich

schließlich einen Grundkurs für mich Vielreisenden eine gute Sache.

Der Kurs wurde von einem Oberammergauer Talent gegeben.

Holzkunde, goldene Regeln des Schnitzens etc.

Der Kurs machte richtig Spaß.

Der Herr Lehrer wiederholte sich fortwährend.

Seine Ansage war:

Immer das ganze Werk im Auge haben und scharfe Werkzeuge.

Natürlich hatte er recht, wenn man einen Teil, zum Beispiel den Kopf einer Figur zu stark ausarbeitete, passte der Kopf nicht mehr zur Figur. Also immer der großen Linie folgen und die Details zum Schluss. Dennoch die Wiederholung war penetrant. Mein Kursnachbar weigerte sich einen Heiligen zu schnitzen, er hätte lieber ein Schwein geschnitzt, der Kompromiss, er durfte einen Wein trinkenden Mönch schnitzen.

In dieser Zeit war ich häufig in Indien unterwegs.

Meine dortigen Freunde ermöglichten mir einen Besuch bei einem Guru des Schnitzhandwerkes in Südindien.

Er arbeitete mit ca. 10 Mitarbeitern. Der Schnitzer saß

auf dem Boden und hielt das Werkstück mit den Füßen. Er hatte Schnitzmesser, geschliffen wurde auf Stein. Es gab keine Elektrizität. Neben Handsägen ,Hämmern, Stichbeiteln eigentlich kein Werkzeug. Der Guru, ein sehr besonnener Mann,

beantwortete über den Dolmetscher alle Fragen.

 

Zum Abschied weihte er mich in das Geheimnis seiner Kunst ein.

 

Immer das ganze Werk im Auge haben und scharfe Werkzeuge.

 

Mein Schnitzlehrer zu Hause freute sich sehr über die Information.